Motorik ABC

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Früher bewegten Kinder sich selbstverständlich, umfassend und ohne Anleitung im Alltag. Heute ist das leider anders. Die Kinderwelt ist keine Bewegungswelt mehr. Auf Freiflächen gilt oft „Betreten verboten!“ und Experten sprechen von einer „sitzengebliebenen Gesellschaft“. Das hat weitreichende Folgen für die Gesamtentwicklung unserer Heranwachsenden. Gerade das Kindergartenalter ist ein „goldenes Lernalter“, indem sich das Bewegungsrepertoire und auch die Sprachfähigkeiten substanziell entwickeln. Bewegung und Sprache gelten als wesentliche Dimensionen der kindlichen Entwicklung, die sich in Abhängigkeit voneinander entfalten und gegenseitig beeinflussen.

Aus diesem Grund haben die BASF SE und die Manfred Lautenschläger-Stiftung im Herbst 2011 ein neu konzipiertes Programm für Klein- und Vorschulkinder ins Leben gerufen: das Motorik ABC. Mit dem von der BASF SE und der Manfred Lautenschläger-Stiftung finanzierten Kindersportangebot werden die motorische Leistungsfähigkeit frühzeitig, systematisch, nachhaltig gefördert und gleichzeitig sprachliche Kompetenzen gestärkt. Das Motorik ABC fügt sich nahtlos in die bislang erfolgreich umgesetzten Projekte der BASF-Initiative „Offensive Bildung“ und der Manfred Lautenschläger-Stiftung ein.
Das Programm setzt sich aus zwei Teilmodulen zusammen: dem namensgebenden Basismodul Motorik ABC unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Roth (Universität Heidelberg) sowie dem Aufbaumodul Bewegte Sprache unter der Leitung von Prof. Dr. Renate Zimmer (Universität Osnabrück). Diese beiden wesentlichen Dimensionen der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung entfalten sich in Abhängigkeit voneinander und beeinflussen sich gegenseitig. Die beiden Teilmodule folgen einer gemeinsamen Grundphilosophie und fühlen sich den Ballschul-Leitlinien der Vielseitigkeit, Entwicklungsgemäßheit, Freudbetontheit und des spielerisch-unangeleiteten Lernens verpflichtet.

Basismodul Moetorik ABC
Im ersten Modul geht es um ein sportwissenschaftlich fundiertes Programm zur motorischen Frühförderung an Kindergärten und in Sportvereinen. Mit dem Motorik ABC sollen die Bewegungsfähigkeiten der Kinder frühzeitig, systematisch und nachhaltig verbessert werden. Dabei wird das Bildungsfeld „Körper, Bewegung, Gesundheit“ gezielt mit sprachlichen, kognitiven und sozial-emotionalen Lerngelegenheiten verknüpft.
Im Mittelpunkt des Motorik ABC steht die Schulung erster motorischer Basiskompetenzen. Der Buchstabe A kennzeichnet die Aneignung und Vervollkommnung grundlegender Tätigkeitsformen wie Springen, Werfen, Rollen und Balancieren. Ihre Beherrschung stellt eine Mindestanforderung für die Teilnahme an einer Vielzahl spielerischer und sportlicher Aktivitäten dar. Erst auf ihrer Grundlage können einfache sportmotorische Fertigkeiten (B) und die allgemeinen koordinativen Leistungsvoraussetzungen (C) geschult werden. Letztere werden als so etwas wie die motorische Intelligenz angesehen. Wer über gute koordinative Fähigkeiten verfügt, lernt schnell neue Bewegungen, etwa auf einem Musikinstrument, im Sportunterricht oder beim Tanzen. Sie helfen darüber hinaus beim Spielen die motorischen Handlungen präzise und variabel einzusetzen. Die Kinder können ihre Bewegungsausführungen besser anpassen, wenn sich Situationen rasch und unvorhergesehen verändern.
Alle Spiele und Übungen des Motorik ABC werden mit Lernanlässen aus den Bereichen der Sprechfreudigkeit (D) sowie der kognitiven (E) und sozial-emotionalen Frühförderung (F) angereichert. Die Umsetzung des Buchstaben D beinhaltet z. B. Kompetenzen wie Instruktionen verstehen, Begriffskategorien bilden oder Sprache buchstäblich festhalten. Es werden neue Laute und Wörter erlernt und durch das eigene Handeln besser verstanden.
Im kognitiven Bereich (E) bietet das Motorik ABC vor allem Möglichkeiten für eine mathematisch-naturwissenschaftliche Förderung. Der Spaß der Kinder am Verstehen von Naturphänomenen wird angeregt. Außerdem lernen sie spielerisch z.B. Zählprinzipien und Mengenvergleiche. Inhalte der sozial-emotionalen Förderung (F) sind u.a. die soziale Integration in die Gruppe, die Übernahme der Perspektive, die Achtung und Wertschätzung Anderer.

Aufbaumodul Bewedgte Sprache
Im zweiten Modul stehen die sprachlichen Kompetenzen und die Sprechfreudigkeit im Vordergrund. Auch hier werden weitere Bildungsfelder, besonders der Bereich der Motorik, systematisch mit berücksichtigt. Sprach- und Bewegungsanlässe werden zwanglos aufeinander bezogen. Denn durch das Lernen mit dem ganzen Körper und mit allen Sinnen wird eine vielfältige und komplexe Vernetzung der Inhalte im Gehirn möglich.
Mit dem Konzept Bewegte Sprache wird thematisiert, wie Sprachanlässe im Kindergartenalltag zu Bewegungsanlässen werden können. Es werden sprachliche Interaktionen erprobt und inszeniert, die Anregungen für körperliche Aktivitäten der Kinder beinhalten. Von Interesse ist auch, welche Bereiche der Sprachentwicklung (Wortschatz, Prosodie, Phonologie, Syntax, Morphologie, Pragmatik) von Bewegungsanlässen profitieren, z. B. die Ebene der Prosodie, die u. a. bei ritualisierten Frage- und Antwortspielen der Kinder angesprochen wird.

Zusatzmodul Kultursensible Elternbildung
Zusätzlich zu den Modulen Motorik ABC und Bewegte Sprache wurde das Zusatzmodul Kultursensible Elternbildung von Frau Prof. Havva Engin von der PH Heidelberg angeboten. Mit dem Modul wird das Ziel verfolgt, Eltern mit Migrationshintergrund in den Themenfeldern „kindliche Ernährung“ und c„Alltagsmobilität“ zu beraten. Der Zusammenhang zwischen falscher Ernährung, fehlender Mobilität und unzureichender Bewegung zeigt sich schon im Kindergartenalter und gerade bei Migrantenkindern kommt diese Symptomkonstellation überproportional häufig vor. Die Sensibilisierung und Beratung von Migranteneltern und ihren Kindern wurde mit Hilfe von Informationsveranstaltungen und Elternabenden realisiert, bei denen sich die Eltern – auf der Grundlage von zweisprachigen Informationsmaterialien – untereinander und mit den pädagogischen Fachkräften austauschen konnten. Für die nachhaltige Unterstützung dieser Beratungsarbeit sind projektbegleitend auch Fortbildungsveranstaltungen für die Elementarpädagogen durchgeführt worden, um deren Handlungskompetenz in der inter-/transkulturellen Elternarbeit zu stärken. Frau Prof. Havva Engin hat die Einrichtungen individuell vor Ort beraten (optional).
Nach der Pilotphase im Herbst 2011 haben in den Jahren 2012 bis 2014 über 140 Kindertagesstätten der Metropolregion Rhein-Neckar, die sich für das Projekt beworben hatten, am Motorik ABC teilgenommen.

Projektevaluation
Evaluationen von Programmen bzw. Interventionen erbringen häufig nicht die erhoff-ten Ergebnisse. Beim Basismodul Motorik ABC ist dies grundlegend anders. Die Resultate der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts haben alle Erwartungen erfüllt und zum Teil sogar übertroffen.
Input-Evaluation: Die durchgängig begeisterten Rückmeldungen der pädagogischen Fachkräfte zu den Fortbildungen und Lehrmaterialien verdeutlichen, dass das Moto-rik ABC als ein qualitativ hochwertiges und im Kindergartenalltag gut umsetzbares Konzept eingeschätzt wird. Die pädagogischen Fachkräfte haben nach ihren Selbstbewertungen sehr viel über die motorische Entwicklung sowie über die Frühförderung in diesem Bereich gelernt. Die Anregungen der pädagogischen Fachkräfte sowie die parallelen Erprobungen des Motorik ABC am Institut für Sport und Sportwissenschaft bildeten die Grundlage für die komplette Überarbeitung des Basismoduls. Un-ter der Bezeichnung Mini-Ballschule wird in den nächsten Jahren versucht, das Mo-torik ABC national und international zu verbreiten. Gleichzeitig besteht eine wichtige Aufgabe darin, im Rahmen von „Erreichtes verstärken“ der „Offensive Bildung“ die Nachhaltigkeit des Projekts durch Qualifizierungen und Fachtage zu sichern.a
Output-Evaluation: Eine dreijährige Längsschnittstudie mit vier- bis sechsjährigen Kindern hat zu klaren, positiven Befunden geführt. Die Kinder, die am Basismodul teilgenommen haben, zeigen erheblich höhere Verbesserungen in ihrem motorischen Leistungsvermögen als die Kontrollgruppe. Die altersbedingten, normalen Fortschritte konnten enorm gesteigert werden. Das betrifft sowohl die Allgemeinmotorik (Gesamtkörperkoordination, zyklische Schnelligkeit) als auch spezifische Ballfertigkeiten (Zielwerfen, Ballrollen). In dem auf 100 geeichten Motorik-Quotienten erreichen die Motorik ABC-Kinder im Alter von sechs Jahren einen Mittelwert von 109. Zudem erbrachten die Auswertungen der Spieltestsituation „Lücke erkennen“, dass sich die spielerischen (taktischen) Basisfähigkeiten der Kinder erkennbar verbessert haben und oberhalb des normalen Potenzials gleichaltriger Kinder liegen.
Besonders erfreulich ist, dass die schwachen Kinder, die vor Beginn des Programms die schlechtesten Testwerte erzielten, den größten Nutzen von der Teilnahme am Motorik ABC hatten. Das Ziel, vor allem denjenigen Kindern zu helfen, die über motorische Defizite verfügen, ist vollständig erreicht worden.
Das vielleicht wichtigste ist aber, dass die Kinder offenkundig viel Spaß an den Spielen und Übungen hatten und ihre motorischen Fähigkeiten quasi „nebenbei“ weiter entwickeln konnten. Die große Resonanz und die Bewerbung von fast 200 Kindertagesstätten indizieren eindeutig, dass das Basismodul Motorik ABC eine große inhaltliche Lücke füllt. Es kann in den Kindertagesstätten ohne Mehraufwand zum Nutzen aller Kinder und pädagogischen Fachkräfte angewendet werden.
Motorik ABC = „Mehr Bewegung für mehr Kind“.

Nähere Informationen zum Motorik ABC erhalten Sie auf der Homepage. Über diesen Link gelangen Sie direkt zur Homepage Motorik ABC.

Achtung: Die Bewerbungsphase für das Projekt ist abgeschlossen. Bei Interesse oder Fragen zum Projekt melden Sie sich bitte hier: Kontakt